Bin ich mit Thunderbird im richtigen "Film"?

  • Um Rückfragen vorzubeugen, bitten wir um folgende Angaben:
    * Programm + Version: Thunderbird 38.4.0 mit mailmindr 0.7.9.2
    * Betriebssystem + Version: Windows 7 / bzw. iPhone 4
    * Kontenart (POP / IMAP): IMAP / Kalender und Adressen werden über CalDAV bzw. CardDAV synchronisiert.
    * Postfachanbieter (z.B. GMX): 1&1 / Business-Mail (Open-Xchange-Server)
    * Eingesetzte Antivirensoftware: Microsoft Security Essentials
    * Firewall (Betriebssystem-intern/Externe Software): Betriebssystem-intern


    Hallo zusammen,


    Viele Jahre habe ich in meinem kleinen Büro (3 – 5 Mitarbeiter) David von Tobit als Groupware (eMail, Kalender, Aufgaben, Adressbuch etc.) eingesetzt. Das recht ambitionierte Pricing von Tobit hätte ich auch weiterhin akzeptiert, wenn das System zuverlässig und einfach zu warten gewesen wäre. Beides war aber leider nicht der Fall. Vor allem um den Aufwand für Wartung und Hardware zu reduzieren, haben wir uns bei der Suche nach einem Ersatz für ein Hostet-System entschieden.


    Das Angebot "Business-Mail" (ein gehosteter Open-Xchange-Server) meines Providers 1&1 erschien mir da recht attraktiv. Als Client wurde mir von diversen IT-Experten Thunderbird statt Outlook empfohlen. (1&1 war da merkwürdig, als es um die Kaufentscheidung ging wurde mir versichert, daß ich bei der Wahl des Client frei bin, wenn es aber Probleme gibt heißt es immer: "Wir empfehlen ja auch Outlook …)


    Das System läuft soweit ganz gut, es gibt aber immer wieder Probleme. Zum einen bin ich mit dem Support des Anbieters 1&1 sehr unzufrieden. Das könnte man aber leicht durch einen Wechsel zu einem servicestärkeren Anbieter lösen. Bevor ich diesen Schritt mache, stelle ich mir aber auch die Frage ob ich mit meiner "Architektur" überhaupt auf dem richtigen Weg bin.


    Ich verwalte meine Daten mit unterschiedlichen Geräten. Im Büro und zu Hause haben wir jeweils Thunderbird auf einem lokalen PC. Für unterwegs nutze ich einen Laptop (ebenfalls mit Thunderbird) und ein iPhone 4. Mir ist wichtig, das die Clients die Daten lokal synchronisieren, damit ich auch arbeiten kann, wenn's mit der Internetverbindung hapert.


    Ich habe schon länger das Gefühl, dass Thunderbird nicht wirklich für den Einsatz in einer Mehrgeräte-Umgebung geeignet ist. Einige Daten werden nicht synchronisiert, besondere Bauchschmerzen machen mir da die Wiedervorlagen (sh. gesondertes Posting), aber auch die Stichwörter muss man in jedem System einzeln anlegen. Mails, Termine und Adressen habe ich nach dem Synchronisieren manchmal doppelt und dreifach (naja, imer noch besser als David - da verschwanden schon mal Sachen beim Synchronisieren einfach ....). Ich frage mich daher oft ob Outlook i.V. mit einem (natürlich gehosteten) MS-Exchange-Server nicht die bessere Alternative wäre. Hier gibt es wohl spezielle Tools, die die (komplette?) Synchronisation steuern.


    Gibt es hier Leute, die vor ähnlichen Problemen standen, aber sich trotzdem für Thunderbird entschieden haben? Und wenn ja, habt Ihr die vorgenannten Probleme gelöst, oder seit Ihr einfach zu dem Schluss gekommen, daß Outlook auch nicht besser ist?



    Vielen Dank für jeden guten Tipp!


    Conrad

  • Hallo Conrad,


    ich bin nun wirklich ein "Fan" des Thunderbird. Mit einer vollständigen Bürolösung (Outlook + Exchange + Active Directory + Lync/Skype) kann er aber bei weitem nicht mithalten. Hier musst Du also Abstriche machen.


    Nun ist eine solche Lösung nicht nur relativ teuer sondern ohne Expertenwissen auch nicht zu administrieren. Ich weiß nicht, wie viel Dir ein Provider zu welchem Preis davon abnimmt. Bei einer Firmengröße von 3 bis 5 Mitarbeitern, würde ich über die große Lösung deshalb nicht einmal nachdenken.
    Ohne AD und Co. musst Du dann allerdings auch beim Outlook Abstriche machen. Einige der großen Vorteile von Outlook kommen dann nicht mehr zum Tragen.


    Viele Deiner Wünsche lassen sich aber auch mit dem TB realisieren.


    Die Anzahl unserer Familienmitglieder liegt in der Größenordnung Deiner Firma. Folgendes funktioniert bei uns:

    • E-Mails sind dank IMAP auf allen Geräten synchron. Das gilt natürlich nicht für E-Mails, die nicht auf dem IMAP-Server liegen.
    • Kalender und Kontakte werden über einen CalDAV- und CardDav-Server verwaltet und sind ebenfalls auf allen Geräten synchron. Für Android werden dazu zusätzliche Apps benötigt. Das iPhone beherrscht meines Wissens CalDAV und CardDav von Haus aus.
      Für den TB wird der SoGO-Connector benötigt, um die Kontakte per CardDav zu synchronisieren. Weitere Details findest Du hier im Forum.
    • E-Mails wie auch die Kalender lassen mit dem TB auch offline bereithalten, bearbeiten und später synchronisieren. Was ich an dieser Stelle allerdings nicht weiß ist, ob das auch noch sauber funktioniert, wenn mehrere Clients denselben Datensatz bearbeiten.
      Beispiel: Du gehst mit dem Notebook um 9 Uhr am Morgen offline und bearbeitest am Abend einen Termin. Dieser wurde aber während Du offline bist bereits von jemand anderen bearbeitet. Wenn Du nun am nächsten Tag mit dem Notebook wieder online gehst und synchronisierst, solltest Du für diesen Datensatz einen entsprechenden Hinweis bekommen.
      Ob das unter allen denkbaren Szenarien sauber klappt, kann ich nicht mit Sicherheit sagen.

    Eine Wiedervorlagefunktion hat der TB nicht. Ich nehme an, Du hast diese über eine Erweiterung realisiert? Wenn diese Erweiterung die zugehörigen Daten lokal speichert, dann sind diese Informationen natürlich nicht synchron.
    Der TB erlaubt es aber, E-Mails in einen Termin oder eine Aufgabe umzuwandeln. Die werden dann im Kalender gespeichert und können wiederum über CalDAV synchron gehalten werden.


    Fazit: Wenn Dein gehosteter Server CaldDAV und CardDAV unterstützt, sollte sich Deine Wünsche problemlos mit dem TB realisieren lassen. Es gibt übrigens eine Reihe deutscher Provider, die IMAP, CalDAV und CardDav sogar für ihre kostenlosen Konten anbieten. Ein kostenloses Konto würde ich für eine Firma nicht empfehlen. Ich erwähne das nur deshalb, um deutlich zu machen, dass es nicht einmal einen gehosteten Server braucht.


    Gruß


    Susanne

  • Hallo Susanne!


    Herzlichen Dank für die ausführliche Antwort. Das hat mich schon mal sehr ermutigt, es weiter mit TB zu versuchen.


    Es ist richtig, die Wiedervorlage mache ich über das Add-On "mailmindr 0.7.9.2" - da habe ich ein gesondertes Posting zu geschrieben.


    Vielleicht findet sich ja noch jemand, der alternative Vorschläge hat. DIE richtige Lösung gibt es vermutlich sowieso nicht.Das läuft IMHO auf ein Abwägen unterschiedlicher Varianten hinaus. Hoffe es ist okay, wenn ich diesen Thread trotz Deiner ausführlichen Antwort erstmal noch auf unerledigt lasse.


    Gruß
    Conrad

  • Hallo Susanne!


    ich hatte vor Weihnachten nicht viel Zeit. Nun will ich das Thema wieder aufnehmen und hätte da noch ein paar Nachfragen zu Deinem Posting. Du schreibst:


    "Mit einer vollständigen Bürolösung (Outlook + Exchange + Active Directory + Lync/Skype) kann er aber bei weitem nicht mithalten."


    Nach meinem Verständniss ist dieser Vergleich nicht ganz korrekt, denn "Thunderbird" ist ja nur ein Client. D.h. die Frage lautet zunächst "Thunderbird" oder "Outlook" als Client? Natürlich kann die Frage nach dem Client nicht ganz losgelöst vom Server beantwortet werden. Aber wie Du schreibst ist eine Anbindung an einen Server per IMAP, CardDAV und CalDAV mit TB möglich. Und ich setzte ja auch bereits einen Hostet-Exchange-Server ein - allerdings nicht MS sondern ein Open Source-System.


    Und hier kommt natürlich dann die Frage nach sinnvollen Kombinationen ins Spiel:


    1. Wenn ich MS-Exchange einsetze kommt als Client sicher nur Outlook infrage.


    2. Wenn ich bei meinem Open-Xchange-Server bleibe stellt sich die Frage ob ich diesen mit Thunderbird oder Outlook als Client benutze. Eigentlich gehört nach meinem Verständnis zu einem OS-Server auch ein OS-Client. Aber sowohl der 1&1-Support als auch andere Experten sehen Outlook auch dann im Vorteil, hier gibt es wohl ein spezielles Synchronisierung-Tool das die Synchronisation zwischen Server und Client einfacher und zuverlässiger macht.


    3. Wenn Outlook also tatsächlich der bessere Client ist, dann stellt sich für mich natürlich als nächstes die Frage ob MS-Exchange auch der bessere Server ist. Du schreibst "Nun ist eine solche Lösung nicht nur relativ teuer sondern ohne Expertenwissen auch nicht zu administrieren."


    Teuer ist natürlich relativ. Bei einer Hostet-Lösung ist MS-Exchange zwar etwa 200% teurer als ein Open-Xchange-Server. Aber wir bleiben immer noch im niedrigen zweistelligen Bereich pro Monat. (gut 30 statt knapp 10 EUR/Monat) Wenn man bedenkt, dass eine qualifizierte Büro-Kraft effektiv ca. 35 - 60 EUR / Stunde kostet, dann heißt das, der Mehraufwand hätte sich schon amortisiert wenn durch eine effizientere Groupware nur eine einzige Personenstunde pro Monat eingespart werden könnte!


    Was den administrativen Mehraufwand betrifft, trifft das dann auch bei einem gehosteten Server zu? Hier liegt der administrative Aufwand doch in erster Linie beim Hoster. Was den Funktionsumfang betrifft, hoffe ich sogar, daß MS-Exchange hier etwas leistungsstärker ist. Wobei ich auch zu gerne wissen würde, ob die Leistungsschwächen des 1&1 - Business-Mail darauf beruhen, dass der Open-Xchange-Server nicht so leistungsstark ist, oder ob 1&1 den Server "kastriert" hat. Da ich Einstellungen ja nur über das Web-Interface tätigen kann, kann es durchaus sein dass der Server selbst viel leistungsstärker ist, aber 1&1 mir einfach keinen Zugriff auf diese Funktionen bietet. Mein Traum wäre ein System daß den großen Funktionsumfang von David mit der Sicherheit eines MS-Exchange verbindet und das ganze als gehostet System ... scheint's aber nicht zu geben.


    Herzlich
    Conrad

  • Hallo Conrad


    mit einer vollständigen Bürolösung meinte ich die erwähnte Kombination MS-Exchange/Active Directory + Outlook + Skype for Business/Lync. In dieser Kombination spielt Outlook seine Vorteile aus, weil alles wirklich gut miteinander harmoniert. Man denke nur an die Office-Integration. Es geht aber noch viel mehr. Du kannst Mailordner und Kalender sharen, Abwesenheitsmails direkt von Outlook aus anlegen, direkt aus Outlook heraus telefonieren oder einen Chat aufbauen, Notizen erstellen usw. .
    Skype-Konferenzen kannst Du ebenfalls direkt aus Outlook heraus planen. Sofern die Kalender der Teilnehmer sichtbar sind, schlägt Dir Outlook sogar Zeiten vor, die für alle Teilnehmer passen.
    Die Einladung enthält dann automatisch die Einwahldaten als Link. Die Teilnehmer klicken darauf und sind in der Konferenz. Dort lassen sich dann die Bildschirminhalten teilen usw. . Teilnehmer, die nicht über Skype for Business/Lync verfügen können über eine Webseite und Telefon teilnehmen. Außerdem ist eine Anbindung an einen MS-Sharepoint-Server möglich.


    Das ist alles ziemlich geschmeidig. Ich glaube aber nicht, dass Dein Hoster Dir dieses Komplettpaket für EUR 30,- pro Monat bietet. Ich vermute, das Paket beinhaltet nur E-Mail, Kalender und Adressbuch. Das müsstest Du aber bei Deinem Provider erfragen.


    Wenn ich MS-Exchange einsetze kommt als Client sicher nur Outlook infrage.


    Der TB kann kann auch mit einem MS-Exchange-Server zusammenarbeiten, denn dieser kann IMAP und SMTP. Insofern kannst Du auch den TB als Mailclient verwenden. Kalender funktionieren ebenfalls mithilfe der Erweiterung Exchange EWS Provider. Die kenne ich jedoch nicht aus eigener Erfahrung.
    Für die Adressbücher wird es komplizierter. Der TB kann meines Wissens nicht auf AD zugreifen. Exchange kann aber neben AD auch einen LDAP-Server benutzen. Auf diesen wiederum kann der TB ebenfalls zugreifen.
    Du siehst, hier beginnt die Bastelei, die mit Outlook an MS-Exchange nicht nötig ist.


    Mit Open-XChange stellt es sich anders dar. Open-Xchange bietet ebenfalls viele dieser Funktionalitäten. Kalender und Kontakte lassen sich über *DAV einbinden, und auch Video-Konferenzen lassen sich über WebRTC abhalten. Ganz so geschmeidig wie in der reinen MS-Welt ist das aber nicht.
    Dafür kostet es nichts. Im Gegensatz zum MS-Exchange läuft Open-XChange nicht auf einem MS-Server 20xx sondern auf einem Linux-Server und spart somit beim Provider die nicht unerheblichen Lizenzkosten - sowohl für das Betriebssystem als auch für die Software. Das erklärt zumindest zum Teil die unterschiedlichen Preise. Auf Deiner Seite erspart es die Kosten für das Outlook.


    Wenn ich bei meinem Open-Xchange-Server bleibe stellt sich die Frage ob ich diesen mit Thunderbird oder Outlook als Client benutze.


    Outlook an Open-Xchange ergibt m.E. überhaupt keinen Sinn, weil Outlook seine Vorteile, wie oben beschrieben, nur in Verbindung mit MS-Exchange ausspielt. Es gibt Connectoren, über die Outlook auch mit Open-Xchange zusammenarbeiten kann. Auch die kenne ich nicht aus eigener Erfahrung. Es ist aber ein weiteres Stück Bastelei.


    Es läuft auf die Frage hinaus, welche dieser Funktionen Du für 3 bis 5 Mitarbeiter benötigst und welche davon überhaupt in Deinem Paket enthalten sind.
    Wenn meine Vermutung stimmt, dass sich das Paket auf IMAP, Kalender und Adressbuch beschränkt, dann wird der Unterschied zwischen Outlook+MS-Exchange zu TB+Open-Xchange deutlich geringer.


    Was den administrativen Aufwand betrifft, frage besser bei Deinem Provider nach. Ich vermute, dass in dem von Dir genannten Preis ein vorkonfiguriertes Basispaket enthalten ist. Das beinhaltet sicher so Dinge wie ein Backup und Softwareupdates. Die Anpassung auf Deine Firma, z.B. das Anlegen der Accounts, Mailkonten, Kalender, die Rechtevergabe usw. musst Du aber gewiss selbst erledigen. In wie weit Du selbst in die Adminstration des Exchange eingreifen darfst (oder musst), ist mir nicht bekannt.


    Um es zusammenzufassen:

    • Wenn Du das volle Funktionspaket und/oder eine ideale Integration in Windows/Office haben möchtest, dann würde ich zu MS-Exchange + Outlook raten.
    • Wenn es nur darum geht, E-Mails, Kalender und Kontakte für 5 Mitarbeiter zu verwalten dann ist Open-Xchange + TB + Lightning + SoGO-Connector eine kostenlose und m.E. nach gute Alternative.
    • Erkundige Dich bei Deinem Provider, was in dem Paket enthalten ist und was an Eigenadministration erwartet wird.


    Gruß


    Susanne

  • Herzlichen Dank Susanne,


    daß Du Dir die Zeit für so eine ausführliche Antwort genommen hast.


    Outlook an Open-Xchange ergibt m.E. überhaupt keinen Sinn, weil Outlook seine Vorteile, wie oben beschrieben, nur in Verbindung mit MS-Exchange ausspielt.


    Sagte mir mein Gefühl auch schon, schön das aus kompetentem Munde zu hören - ähhh hören? Du weißt schon ;-)




    Paket auf IMAP, Kalender und Adressbuch beschränkt


    Die Aufgaben nutze ich noch. Da gibt es halt eine Reihe Detail-Probleme, da mache ich dann extra Threads auf.



    Gruß
    Conrad

  • Sagte mir mein Gefühl auch schon, schön das aus kompetentem Munde zu hören ...

    Du weißt ja, mit der Kompetenz ist das so eine Sache. Es gibt immer jemanden, der sich zu einem Thema noch besser auskennt. So gibt es Leute, die sprechen geradezu Exchange oder Open-XChange. Zu denen gehöre ich bei weitem nicht.
    Das "Gesagte" entspricht daher lediglich meiner Erfahrung mit Outlook und Co., so wie wir es in der Firma verwenden. (Auch als großer Linux-Fan muss ich da neidlos anerkennen, dass das alles wunderbar zusammen harmoniert.)
    Andere mögen aber zu ganz anderen Ansichten kommen.