Kopfzeilen im Posteingang nach Komprimieren verschwunden

  • Um Rückfragen vorzubeugen, bitten wir um folgende Angaben:
    * Thunderbird-Version: 45.5.1
    * Betriebssystem + Version: Windows 7
    * Kontenart (POP / IMAP): POP
    * Postfach-Anbieter (z.B. GMX): GMX
    * Eingesetzte Antiviren-Software: Microsoft Security Essentials
    * Firewall (Betriebssystem-intern/Externe Software): Windows Firewall
    * Router-Modellbezeichnung (bei Sende-Problemen): Thomson Internet Router


    Hallo, liebes Forum!
    Habe vor einigen Wochen (auf Aufforderung) den Posteingang komprimiert.
    Seit damals sind die Kopfzeilen verschwunden, die Emails sind aber
    weiter vorhanden, bei neu eingehenden Emails sind die Kopfzeilen
    ebenfalls unsichtbar. Bei den Ordnern unterhalb des Posteingangs sowie
    bei Entwürfen, Gesendet etc ist alles normal. Die Suchfunktion innerhalb
    des Posteingangs funktioniert ebenso normal. Auffallend ist noch, dass
    in meinem GMX-Postfach sämtliche Emails seit dem Datum des
    Komprimierens, die bei TB keine Kopfzeile zeigen, noch vorhanden sind,
    ein Verschieben von GMX in den Posteingang (bei TB) ist nicht möglich.
    Der Versuch, die Zusammenfassungsdatei zu Posteingang zu reparieren, war
    ergebnislos, ebenso der Start im abgesicherten Modus (sämtliche Add-ons
    sind deaktiviert).
    Vielleicht kann mir da jemand vielleicht helfen oder raten?
    Gruß an alle
    MrPug

  • Hallo MrPug, und willkommen im Forum!


    Dieses von dir erwähnte Komprimieren ist die wichtigste (!!) und keinesfalls zu vernachlässigende (!!) Pflegemaßnahme bei der Benutzung eines Milclients, welcher nach dem uralten Protokoll POP3 arbeitet und die heruntergeladenen Mails in so genannten "Mbox-Dateien" speichert.
    Das bedeutet vereinfacht gesagt, dass sämtliche E-Mails eines "Mailordners" einschließlich ihrer mitgesendeten Anhänge hintereinander in je einer einzigen mitunter riesigen Datei je "Ordner" gespeichert werden.
    Wenn du aus einem "Mailordner" Mails löschst oder verschiebst, dann werden diese Mails in Wirklichkeit nicht gelöscht, sondern sie wird nur als gelöscht markiert und somit versteckt bzw. nicht mehr angezeigt. Aber sie ist weiterhin in voller Größe in dieser Mbox-Datei vorhanden.
    Ergebnis: Diese Datei wird immer fetter, bis eines Tages einfach nichts mehr geht! Der Datenverlust ist unausweichlich. Und das, obwohl dieser "Mailordnder" als leer angezeigt wird oder nur wenige Mails enthält.


    Durch das von dir erwähnte Komprimieren (was eine Programmfunktion des TB ist, und absolut nichts mit ZIP & Co. zu tun hat), werden die als gelöscht markierten Mails physisch aus den Mbox-Dateien gelöscht. Und das kannst du auch beobachten, indem du vorher und hinterher die Größe dieser Dateien (mit dem Dateimanager des Betriebssystems in deinem TB.Userprofil) vergleichst. Ob du die vorhandene Automatikfunktion für das Komprimieren benutzt oder dich jedesmal bewusst entscheidest, ist dir überlassen. Ich bevorzuge die zweite Methode, denn bis zum Komprimieren können falsche Löschentscheidungen noch rückgängig gemacht werden.


    Nun zu der erwähnten "Zusammenfassungsdatei" oder richtiger "Indexdatei".
    Zu jeder Mbox-Datei legt der Thunderbird automatisch eine Indexdatei (Endung: .msf) an. Dieser Index wird auch normalerweise bei jedem Schreibvorgang (Hinzufügen und Löschen von Mails) automatisch korrigiert und aktualisiert. Normalerweise merkt der User nichts davon.


    Nun gibt es aber Umstände, welche diese Indizierung stören bzw. die Indexdateien beschädigen. Das sind bspw. Zugriffe durch den AV-Scanner, welcher verbotenerweise das TB-Userprofil überwachen darf, das passiert beim "harten Ausschalten" des Rechners, aber auch, wenn die Mbox-Dateien nie gepflegt wurden und größenmäßig aus dem Ruder gelaufen sind, und aus so manchen weiteren Gründen.
    Nur durch ein erneutes (bewusst angestoßenes) Indizieren kannst du wieder sicherstellen, dass die Indexdateien der einzelnen Mbox-D. deren exakten Inhalt wiederspiegeln. Je nach Menge der selbst angelegten Ordner und Unterordner gibt es da zwei Methoden dazu:

    • Die für die Mausschubser, indem du jeden "Mailordner" markierst > Rechtsklick > Eigenschaften ... > Reparieren.
    • Oder (bei sehr vielen Ordnern und Unterordnern und Leuten, die wissen, was sie tun), indem bei beendetem Thunderbird mit Hilfe der Suchfunktion des Betriebssystems im TB-Userprofil nach den Indexdateien (*.msf) gesucht wird und diese allesamt gelöscht werden. Beim nächsten Programmstart (der in diesem Fall etwas länger dauern kann) werden alle Mbox-Dateien wieder indiziert und neue, saubere und vor allem aktuelle Indexdateien geschrieben.


    Und noch einmal ganz deutlich:

    • Durch das unbedingt notwendige Komprimieren werden ausschließlich Mails physisch gelöscht, welche vorher als gelöscht markiert wurden.
    • Durch Vernachlässigung dieses Komprimierens kommt es fast unweigerlich zum Datenverlust. Die Maximalgrößen dieser Dateien sind zu beachten.
    • Eine aktuelle und funktionierende Indexdatei beinhaltet den aktuellen Datenbestand der Mbox-Datei. Es ist nur eine Art aktuelles Inhaltsverzeichnis. Auch hierbei werden keine Mails gelöscht!
    • Die Liste der vorhandenen Mails wird immer aus den Indexdateien erzeugt. Indexdatei nicht stimmig => es werden nicht mehr vorhandene Mails oder ein nicht zur angezeigten Mail passender Inhalt angezeigt. Sinngemäß das gleiche passiert bei der integrierten Suchfunktion. Auch hier werden Indexdateien genutzt, welche nicht unbedingt den tatsächlichen Bestand wiederspiegeln.


    So, nun verdaue erst einmal das, was hier steht. Bei weiteren Fragen bitte posten.



    MfG Peter

    Thunderbird 45.8.x, Lightning 4.7.x, openSUSE Tumbleweed, 64bit
    S/MIME, denn ich will bestimmen, wer meine Mails lesen kann.
    Nebenbei: die Benutzung der (erweiterten) Suche, und von Hilfe & Lexikon ist völlig kostenlos - und keinesfalls umsonst!
    Und: Ich mag kein ToFu und kein HTML in E-Mails!

    Einmal editiert, zuletzt von Peter_Lehmann ()

  • Hallo Peter,


    danke für die ausführlichen Informationen zum Thema des Komprimierens und zur Reparatur von beschädigten Indexdateien.
    Da ich nur wenige Ordner bzw. Unterordner habe, wurde die Methode per Rechtskllick > Eigenschaften > Reparieren von mir gewählt.
    Bin alle Mailordner durchgegangen und alle wurden repariert.


    Mein Spezialproblem ist aber leider unverändert : Die Kopfzeilen im Posteingang (und nur dort) werden nach wie vor nicht angezeigt,
    die Emails selbst sind auch weiter vorhanden und können über die Suchfunktion komplett (also auch mit Kopfzeile) dargestellt werden (vorausgesetzt,
    man hat Absender oder Betreff). Bei den Ordnern unterhalb des Posteingangs sowie bei Entwürfen, Gesendet etc ist alles in Ordnung.


    Was könnte ich noch versuchen?


    Gruß zum Neuen Jahr an alle.
    MrPug

  • die Emails selbst sind auch weiter vorhanden und können über die Suchfunktion komplett (also auch mit Kopfzeile) dargestellt werden

    Woher weißt du, dass diese E-Mails weiterhin vorhanden sind? Kannst du sie wirklich öffnen und vollständig anzeigen?



    Bei den Ordnern unterhalb des Posteingangs sowie bei Entwürfen, Gesendet etc ist alles in Ordnung.

    Jeder "Mailordner" ist eine eigene Mbox-Datei. Und diese hier, wurden eben nicht mit beschädigt.


    Öffne den Posteingang (INBOX) mit einem dafür geeigneten Editor und du siehst, was da noch vorhanden ist. Siehst du nicht nur vollständig lesbare ASCII-Zeichen sondern auch "binären Müll" (nicht darstellbare Zeichen), dann ist diese Datei beschädigt. Alle vorhandenen Mails kannst du gut und deutlich erkennen oder nach Absendern und Betreffzeichen suchen.


    Nach einer vorhandenen aktuellen Datensicherung frage ich lieber erst gar nicht ... .



    MfG Peter

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