Ich für meinen Teil würde keine App benutzen, die mir keinen Vorteil bietet gegenüber der, die Apple bereits mitliefert. Deshalb fällt es mir schwer, zu verstehen, weshalb einige so sehr darauf warten.
Vielleicht macht Thunderbird für iOS das Wenige, was es in der ersten Version kann, ja besser als andere Apps. Das muss man bewerten, sobald es möglich ist. Um einen Vergleich zu Thunderbird für den Desktop zu ziehen: Ich nutze wahrscheinlich weniger als fünf Prozent des Funktionsumfangs. Aber die wenigen Dinge, die mir wichtig sind, macht Thunderbird so gut, dass ich mich für Thunderbird entschieden habe. Der reine Funktionsumfang ist also gar nicht unbedingt so entscheidend.
Außerdem ist es so, dass man irgendwo ja mal anfangen muss. Es würde sich vermutlich kaum jemand für die erste Version von Thunderbird für iOS entscheiden, wenn es dabei bleiben würde. Aber es gibt ja auch die Vision, dass da da mehr kommen und ein sehr guter Mail-Client entstehen wird. Diese Entwicklung zu verfolgen, kann auch sehr spannend sein.
Und in dem Zusammenhang der Hinweis: Sich auf die erste Version von Thunderbird für iOS zu freuen, ist nicht gleichbedeutend damit, diese auch wirklich sofort oder als einzige Mail-App zu verwenden. Auch Nutzer, die auf weitere Features warten, bevor sie ernsthaft einen Umstieg in Erwägung ziehen, dürften sich darüber freuen, wenn Thunderbird erst einmal diesen wichtigen Meilenstein nimmt.
Auch hier ein Vergleich: Ich bin ein großer Freund der MacBooks von Apple sowie von deren Prozessoren. Ich freue mich jedes Jahr sehr auf die neuen Geräte – aber nicht, weil ich mir jedes Jahr ein neues MacBook kaufen möchte. Das passiert „nur” alle drei bis sechs Jahre. Ich mag das Produkt und sehe jede Weiterentwicklung, auch wenn ich selbst noch nicht davon profitiere, als einen Meilenstein auf dem Weg zum nächsten MacBook, welches ich mir kaufen werde. Und so kannst du es mit Thunderbird auch betrachten: Vielleicht reicht dir die erste Version noch nicht, vielleicht auch noch nicht die zweite oder dritte Version. Aber alles, was auf dem Weg implementiert wird, macht die App besser und wird Teil der ersten Version sein, die dann auch für dich vielleicht mal in Frage kommt.
Selbst wenn ich diesen Punkt als Faktum betrachte, ein Plus ist das für mich nicht. Wenn ich den Aussagen von Apple zu deren App misstrauen würde, dann dürfte ich auch keiner anderen App vertrauen, die auf dem iPhone läuft. Schließlich hätte Apple auf der Ebene des Betriebssystems alle Möglichkeiten.
Es muss ja nicht gleich ins Extrem ausschlagen, dass man Apple misstraut, wenn man einen Vertrauens-Bonus bei Mozilla sieht. Wobei selbst das nicht auszuschließen ist. Ich lese so häufig Nutzer, die Windows nutzen und es „Windoof” nennen und glauben, dass sie von Microsoft „ausspioniert” werden. Oder Nutzer, die Android nutzen, aber Google ihre E-Mail-Adresse für den Google Play Store nicht anvertrauen wollen. Dieser vermeintliche Widerspruch ist für einige Nutzer Realität. Ich schließe also auch nicht aus, dass es iPhone-Nutzer gibt, die nur ungerne auf eine Mail-App von Apple setzen wollen. Ob die Zweifel berechtigt sind oder nicht, steht ja auf einem ganz anderen Blatt Papier. Das ist halt die persönliche Haltung der jeweiligen Nutzer. Und da ist dann eine Organisation wie Mozilla sehr willkommen. Sofern man dann natürlich nicht anfängt, auch Mozilla Themen anzuhängen. Auch das passiert ja teilweise. ![]()