Gelöschte Emailordner wiederherstellen

  • Liebe Thunderbird-Community,


    auf dem Rechner eines Freundes ergab sich folgendes Problem: Die Emailordner (mbox-Dateien) sind gelöscht und die bisherigen Rettungsversuche sind fehlgeschlagen. Wir hoffen alle Emailordner als Ganze wiederherstellen zu können, so daß keine Email verloren geht. Könnt Ihr helfen?


    Der Freund nutzt seinen Windows 2000-Rechner seit vier Jahren. Solange nutzt er auch Thunderbird (eine 2.0.0.* Version) zum Abruf der Emails per POP. Durch die intensive E-Mail-Kommunikation kam die 8-GB-Festplatte an ihre Kapazitätsgrenze. Thunderbird machte Fehler, es zeigte die Emails nach dem Abrufen zuerst nicht an. Schloß man Thunderbird und startete es erneut, wurden die neu abgerufenen Emails danach angezeigt. Eine Fehlermeldung von Thunderbird nahmen wir zum Anlaß, den Computer mit mehr Arbeitsspeicher aufzurüsten. Danach wollten wir durch den Einbau einer besseren Grafikkarte den Rechner noch beschleunigen. Allerdings waren zu diesem Zeitpunkt nur noch 3 MB auf der Festplatte frei. Um den Treiber für die Grafikkarte installieren zu können und Platz zu schaffen, starteten wir die Datenträgerbereinigung von Windows 2000. Wir wählten die Option „Katalogdateien für den Inhaltsindex“ löschen aus, um überhaupt nennenswert Platz schaffen zu können. Was danach kam, war alles andere als erwartet. Während der mehre Minuten dauernden Datenträgerbereinigung verschwanden plötzlich die Programmverküpfungen auf dem Desktop. Nach beendeter Bereinigung schalteten wir den Rechner aus und wollten ihn neu starten in der Hoffnung, daß dann alle Symbole wieder angezeigt würden. Stattdessen ließ sich Windows nicht mehr starten, die schlichte Fehlermeldung im DOS-Stil besagte, daß eine Datei fehlen würde. Nach einem Einbau der Festplatte in einen anderen Rechner hatten wir Klarheit, daß sehr viele Dateien gelöscht waren/fehlten. Auf Foren fanden wir den Hinweis, daß ein fehlerhaft programmiertes Programm, namens XP-Clean, das auch auf dem Rechner lief, in Kombination mit der Datenträgerbereinigung und der Auswahl der oben genannten Option Schaden anrichtet. Es markiert für die Datenträgerbereinigung Dateien als zu löschen, die gar nicht gelöscht werden sollen und dürfen.


    Nach einer Neuinstallation des Rechners auf zwei neuen, größeren Festplatten, läuft dieser jetzt wieder.


    Es hapert aber bisher an der Wiederherstellung der Emails. Wir begaben uns – bisher erfolglos – an die Bergung der Emails. Allein der Posteingang umfaßte vor dem „Unfall“ rund 13.000 Emails. Wir konnten uns mit einem Hexeditor auf dem Abbild der geschädigten Festplatte überzeugen, daß darauf sehr viele Emails liegen und diese nicht etwa mit lauter Nullen überschrieben worden sind. Die bisherigen Datenrettungsversuche haben zu gemischten Ergebnissen geführt:


    Die kleinen Word-Dateien und PDF-Dateien sowie Bilder im Ordner „Eigenen Dateien“ ließen sich mit dem Werkzeug „undelete plus“ perfekt wiederherstellen.


    Die kleineren Emailordner (bis 70 MB groß) ließen sich zwar wiederherstellen, allerdings waren weniger Emails drin als ursprünglich. Die größte dieser Dateien enthielt einfach gar nichts. Diese Dateien entsprechen jedenfalls nicht ihrem Originalzustand vor der Löschung.


    Die ehedem ganz großen Emailordner (vermutlich zwischen hunderten MB und um 1 GB groß) wie INBOX und SENT widersetzen sich bisher gänzlich einer Rekonstruktion. Die Programme zur Widerherstellung gelöschter Dateien „undelete plus“, „PC Inspector File Recovery“, „Data Recovery Wizard Professional“ sowie „GetDataBack for NTFS“ zeigten allesamt zwar die Dateien der großen Emailordner an, allerdings immer mit einer Größe von null Byte.


    Die Festplatte nutzt das NTFS-Format. Auf einem Forum steht, daß Windows auf NTFS-Festplatten große Dateien anders löscht als kleine und daß die Fragmentierung der Datei auch noch einen Unterschied macht. Wir gehen bisher davon aus, daß es auf der Festplatte eine oder mehrere Listen gibt, in der steht, wo der Inhalt der gewünschten Datei auf der Festplatte liegt. Löschen funktioniert dann so, daß nur diese Liste verändert wird, der Inhalt der Dateien bleibt hingegen unverändert. Daher hoffen wir, die Emailordner als ganze wiederherstellen zu können, so daß keine Email verloren geht. Den Import in Thunderbird könnte dann das ImportExportTool übernehmen.


    Wie bewertet Ihr die geschilderten Situation hinsichtlich der Möglichkeit einer vollständigen Wiederherstellung der Emailordner? Wir würden uns über nachvollziehbare und begründete Hinweise freuen, die uns einem Verständnis des Problems näherbringen und damit die Grundlage schaffen, das gemeinsam durchdrungene und verstandene Problem präzise zu beheben.


    Viele Grüße
    rana

  • Hallo rana


    und willkommen im Thunderbird-Forum!


    Trotz der umfangreichen Beschreibung blebt unklar, wo ihr die Dateien wie sent, inbox etc gefunden habt? Innerhalb des Anwendungsordners Thunderbird, bei
    Windows 2000, XP in Dokumente und Einstellungen\%Benutzername%\Anwendungsdaten\Thunderbird\Profiles\xxxxxxxx.default
    oder als einzelne Dateien irgendwo auf der Platte?
    Die Pfade und die Ordnerstruktur der Platte sind klar lesbar?

  • Hallo,


    um es gleich vorneweg zu sagen: Das sieht schlecht aus.


    Die Gründe dafür sind zahlreich: Ein Betriebssystem, daß sich seit über einem Jahr ungepatchter Sicherheitslücken erfreut (und sich dabei mit TB2 in schlechter Gesellschaft befindet, das sieht nach einem generellen Benutzerverhalten aus, zumal es schon verwunderlich ist, wenn jemand im Jahr 2007 anfängt ein W2K-System zu benutzen), eine Festplatte, die offensichtlich (bei dem geringen freien Speicherplatz) längst kräftig fragmentiert war, was jetzt das Zusammenglauben der Dateibruchstücke zum Problem macht, die Verwendung von XP Clean (und was sonst noch?), ein Postfachkonto, das bei den angegebenen Mengen an Mails geradezu danach schrie, Datenverlust zu erleiden (und ja auch, siehe Beschreibung, geschrieen hat), kurzum, alles schlechte, was man sich als Szenario so vorstellen kann, kommt hier zusammen.


    Und auch wenn es in der Beschreibung nicht steht: Wenn ich von der Vermutung ausgehe, daß vor der Installation des Systems auf einer neuen Festplatte einige Reparaurversuche auf der alten Platte unternommen wurden und dabei höchstwahrscheinlich auch schreibend auf die Platte zugegriffen worden ist, dann sind mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit Daten auf der Platte überschrieben worden. Möglicherweise kommt noch hinzu, daß eventuell bereits zuvor oder aber als Resultat der "Bereinigung" ein Dateisystemfehler lauert.


    Da nach der Beschreibung es hier darum geht, die durch das gesamte Unglücksszenario gelöschten Mailbox-Dateien überhaupt wieder zu finden und benutzbar zu machen, ist das zunächst einmal kein TB-Problem, sondern ein Rechner-Problem.


    Wenn alle die eingesetzten Programm zum Wiederherstellen der verlorenen Daten Dateien mit 0 Byte Größe erzeugen, so ist klar, daß sich damit nichts erreichen läßt. Gleichwohl könnt ihr noch den Versuch mit PhotoRec machen. Dieses Tool ist Teil von TestDisk und dient dem Zweck der Datenrettung und zwar im Unterschied zu dem, was der Name vermuten läßt, keineswegs nur Photos. Ich sag gleich dazu, daß es vermutlich vergeudete Zeit ist, aber wie es so schön heißt: Die Hoffnung stirbt zuletzt und: Versuch macht kluch.


    Was, sofern die Daten tatsächlich noch auf der Festplatte existieren, helfen kann, ist sie mit einem Diskeditor zu sammeln und aus den Dateifragmenten zu extrahieren. Daß es nicht wirklich realistisch ist, das mit tausenden von Mails tun zu wollen, liegt auf der Hand.


    P.S. Die Sache aus dem Forum mit den großen und den kleinen Dateien dürfte ein Mißverständnis sein. Hier sind wahrscheinlich die alternativen Datenströme (ADS) gemeint. Das dürfte hier allerdings sowieso nicht relevant sein, schon gar nicht finden sich da Dateien in MB- oder gar GB-Größenordnungen.


    P.P.S. Vernünftigerweise stände hier als erstes die Frage nach dem Backup; ich befürchte allerdings, die Antwort bereits zu kennen. Die Chance, es in der Zukunft besser zu machen, ist aber noch da.

  • "rum" schrieb:


    Trotz der umfangreichen Beschreibung bleibt unklar, wo ihr die Dateien wie sent, inbox etc gefunden habt? Innerhalb des Anwendungsordners Thunderbird, bei Windows 2000, XP in Dokumente und Einstellungen\%Benutzername%\Anwendungsdaten\Thunderbird\Profiles\xxxxxxxx.default oder als einzelne Dateien irgendwo auf der Platte?
    Die Pfade und die Ordnerstruktur der Platte sind klar lesbar?


    Hallo rum,


    die Pfade habe ich nicht genau notiert. „undelete plus“ zeigte einen Verzeichnisbaum, der neben vielen verlorenen Ordnern außerhalb der ursprünglichen Pfade auch den ganz normalen Windows 2000 Verzeichnisbaum enthielt. In diesem Teil der Struktur befand sich auch die Unterstruktur „Anwendungsdaten\Thunderbird\Profiles\xxxxxxxx.default\Mail\...“. Mit „...“ sind die Verzeichnisse zu zwei Email-Adressen und das Verzeichnis des Lokalen Ordners gemeint. Darin befanden sich dann wiederum die mbox-Dateien und deren Index-Dateien (msf), allerdings in dem eingangs beschriebenen Zustand (fehlerhaft oder Null-Byte groß).
    Unter „verstreut auf der Platte“ stelle ich mir vor, daß die Dateien nicht mehr in den Originalstrukturen liegen, wenn einem das Undelete-Ergebnis angezeigt wird. Das war nicht der Fall. Allerdings wurden insgesamt über 100.000 Dateinamen gefunden. Die haben wir bisher nicht alle durchsucht, sondern uns auf den Standardpfad beschränkt. Lohnt es sich, woanders zu suchen?


    Gruß
    rana


    -+-+-+-+-+-+


    Hallo Cosmo,


    ich meine, es sieht gut aus.


    Wir haben uns an ja gerade an das Thunderbird-Forum gewandt, in der Hoffnung hier gemeinsam entwickeln zu können, wie der Freund von mir Thunderbird am Ende besser als vor den Schwierigkeiten nutzen kann. Thunderbird läuft schon wieder (mit Updates) und jetzt ohne Fehlermeldungen. Es fehlen zum vollen Nutzen aber noch die Emails der letzten vier Jahre und die in dieser Zeit vorgenommene Sortierung derselben. Vermutlich hatten andere Thunderbird-Nutzer schon mal ähnliche Schwierigkeiten, ein gelöschtes Profilverzeichnis wiederherzustellen, haben diese überwunden und können sich hoffentlich noch daran erinnern, was das Problem war und wie es gelöst wurde.


    Aus der bisherigen Nutzung von Thunderbird wissen wir, welche Emailordner es gab (siehe oben). Denen entsprechen die Namen der von „undelete plus“ angezeigten mbox- und msf-Dateien. Die Struktur der Emailordner ist also irgendwie noch vorhanden, aber zur Zeit nicht mehr hinreichend mit den Inhalten der Emailordner verbunden, da die Wiederherstellung noch nicht gelingt.


    Weiß vielleicht jemand, welche Einstellungen man bei den genannten Datei-Wiederherstellungsprogrammen beachten muß, damit sie gut und gründlich suchen und die Emailordner vielleicht doch mit ihrer ursprünglichen und nicht mehr mit Null Byte Größe anzeigen? Das wäre doch relevant, um nicht die vier Jahre Arbeit des täglichen Emaillesens und -sortierens verloren zu geben und auf Schnippseljagt mit PhotoRec zu gehen.


    Wie schätzt Ihr ein, ob die Fragmente der Emailordner automatisch aufgelesen werden können?
    Ich weiß nicht, wie fragmentiert die Emailordner sind. Die Emails wurden täglich über einige Stunden alle zehn Minuten per POP abgerufen wurde und in die Ordner sortiert. Die Emailordner wurden nie komprimiert, weil das erst nicht nötig war und dann nicht mehr klappte. Es wurden also keine Emails aus den Emailordnern (mbox-Dateien) rausgeschnitten, um sie echt zu löschen, was ja der Vorgang beim Komprimieren der Emailordner ist. Ich habe auch gelesen, daß sich das Dateisytem von Windows (NTFS) selbst darum kümmert, daß die Dateien nicht so arg fragmentieren.


    Das Festplattenabbild haben wir erst nach den Schwierigkeiten erstellt. Ein Backup vom unbeschädigten Zustand gibt es leider nicht. Bevor wir das Abbild erstellten, trat der Fehler auf, startete Windows nicht mehr und ließen wir noch „undelete plus“ auf der in einen zweiten Rechner eingebauten Festplatte laufen, was kein befriedigendes Ergebnis gebracht hatte. Dann erst erstellten wir das Festplattenabbild unter Knoppix/Knoppicillin ohne Schreibzugriff (im „forensic“-Modus). Es liefen aber zwischenzeitlich keine Programme mehr außer dem Avira-Guard (das ja nicht schreibt) und „undelete plus“ auf der Platte und es wurden auch keine Dateien mehr darauf gespeichert. Die Festplatte ist zudem nicht kaputt. Das spricht alles dafür, daß die Emails noch vorhanden sind. Dem entspricht auch der mit dem Hex-Editor gewonnene Eindruck, daß tausende gut erhaltene Emails auf dem Festplattenabbild liegen. Die Inhalte der Emails sind also noch vorhanden.


    Es gibt auch im engeren Sinne kein Rechnerproblem, denn der läuft inzwischen und sogar flotter als vorher.


    Da manche der mittelgroßen Emailordner (mbox-Dateien) mit „undelete plus“ nicht in den Originalzustand kommen, aber die zugehörigen Index-Dateien (msf) gut aussehen, wäre ja auch eine Frage, ob die Informationen der Index-Dateien nicht beim Auffinden der Emailordner helfen können.


    Viele Grüße
    rana

  • Hallo rana,


    Das, was ich in deinem letzten Beitrag gelesen habe ("Dann erst erstellten wir das Festplattenabbild unter Knoppix/Knoppicillin ohne Schreibzugriff (im „forensic“-Modus).") zeigt mir, dass wir es hier mit jemand zu tun haben, der weiß was er tut! (Glückwunsch, sehr gut!!!)


    Die Indexdateien werden dir nicht viel helfen. Du kannst maximal daraus entnehmen, was zu deren Erstellungszeitpunkt mal vorhanden war.
    Was du brauchst, sind die endungslosen mbox-Dateien. (Aber das weißt du ja selbst ... .)


    Wie du beschrieben hast, sind diese leer oder defekt. => übel! Das ist exakt der letzte Zustand der mbox-Dateien.
    Natürlich kannst/solltest du jetzt in den namenlosen Dateifragmenten nach einem String suchen, welcher dort garantiert vorkommen muss => der Mailadresse des Besitzer des Unglücksrechners!
    Zu deinem genutzten Datenrettungsprogramm kann ich als Linuxnutzer nicht viel sagen. Ich würde es wirklich mit photorec machen. Als Ziel nach einem derartigen Desaster stelle ich mir, die Mails überhaupt wiederzufinden. Also alles, was irgendwie nach "mbox" aussieht, sauber extern speichern. Mit einem Texteditor ansehen => der gesamte Inhalt muss aus lesbaren ASCII-Zeichen bestehen.


    Und dann kannst du mit dem Add-on "ImportExportTools" eine dieser Dateien nach der anderen durchgehen (einzeln!) und sämtliche importfähigen Mails in ein extra dafür angelegtes TB-Profil importieren. Danach schließt sich eine Bestandsaufnahme, Löschen von Dubletten und ein neues Sortieren an. Für diese Aufgaben gibt es ebenfalls Add-ons und natürlich Filter.
    Aber erst einmal gilt es, überhaupt etwas zu finden, was natürlich auch von den letzten Nutzungsstunden der HD abhängt ... .


    MfG Peter

    Thunderbird 45.8.x, Lightning 4.7.x, openSUSE Tumbleweed, 64bit
    S/MIME, denn ich will bestimmen, wer meine Mails lesen kann.
    Nebenbei: die Benutzung der (erweiterten) Suche, und von Hilfe & Lexikon ist völlig kostenlos - und keinesfalls umsonst!
    Und: Ich mag kein ToFu und kein HTML in E-Mails!

  • Hallo rana,

    "rana" schrieb:

    ich meine, es sieht gut aus.


    Schön für euch, wenn du Recht haben solltest. Auf Grund der Beschreibung sehe ich das nicht. Und die bisherigen Ergebnisse bieten dasselbe Bild.

    "rana" schrieb:

    Weiß vielleicht jemand, welche Einstellungen man bei den genannten Datei-Wiederherstellungsprogrammen beachten muß, damit sie gut und gründlich suchen und die Emailordner vielleicht doch mit ihrer ursprünglichen und nicht mehr mit Null Byte Größe anzeigen?


    In File Recovery zum Beispiel "Suche nach verlorenen Dateien". In jedem Fall viel, viel Kaffee kochen. ;)


    "rana" schrieb:

    Wie schätzt Ihr ein, ob die Fragmente der Emailordner automatisch aufgelesen werden können?


    Warum einschätzen? Du hast doch schon berichtet, daß eine Beziehung zwischen dem Dateisystem und den Dateifragmenten nicht wiederhergestellt werden konnte.

    "rana" schrieb:

    Ich weiß nicht, wie fragmentiert die Emailordner sind. ... Ich habe auch gelesen, daß sich das Dateisytem von Windows (NTFS) selbst darum kümmert, daß die Dateien nicht so arg fragmentieren.


    Da die Platte bis Oberkante Unterlippe voll war, blieb dem Dateisystem gar nichts anderes übrig, als sich - solange es noch gut ging - seinen Speicherplatz da zu suchen, wo überhaupt noch eine Lücke war. Und da nie komprimiert worden war, waren die Dinger riesengroß und folglich auf sehr viele Sektoren (die nicht auf einmal, sondern im Laufe der Zeit sukzessive verwendet wurden) verteilt. Da braucht es nicht viel Phantasie, um sich das Ganze auszumalen. Darüber hinaus: Ja, Fragmentierung unter NTFS verhält sich anders als unter FAT, aber sie existiert und sie erschwert nicht zuletzt das Zusammensuchen von Dateifragmenten. Im übrigen vermag Windows mit Bordmitteln bei weniger als 15% freiem Speicherplatz (bei 8 GB macht das 1,2 GB, auf der Platte waren aber kaum mehr als 2 Promille von diesem Wert frei!) nicht mehr zu defragmentieren.


    "rana" schrieb:

    Die Emailordner wurden nie komprimiert, weil das erst nicht nötig war und dann nicht mehr klappte.


    Genau das ist ein Faktor der mehrfachen Problematik, von der ich gestern schrieb. Die Aussage "nicht nötig" ist ganz offensichtlich falsch, denn ansonsten hätte es ja später geklappt. Du hast im ersten Beitrag selbst beschrieben, daß TB schließlich nur noch nach Beenden und Neustarten die Mails anzeigte; da du Fehler im Plural geschrieben hattest, wurde ganz offensichtlich die Problematik ignoriert, bis es knirschte. Will sagen, die MBoxen waren schon vor dem jetzigen GAU dem Exitus nahe. Fest steht aber, daß das Mail-Profil so wenig gepflegt worden ist wie das gesamte System.


    Der Einbau zusätzlichen Arbeitsspeichers hat das Problem wahrscheinlich noch verschärft, weil sich Windows damit gleichzeitig mehr Platz für seine Auslagerungsdatei nimmt - oder nehmen wollte, denn bei 3 MB gibt es nichts mehr zu holen.


    "rana" schrieb:

    Es gibt auch im engeren Sinne kein Rechnerproblem, denn der läuft inzwischen und sogar flotter als vorher.


    Unbezweifelt. Aber ein TB-Problem wäre es IMO, wenn es darum ginge, vorhandene Daten zum Beispiel in ein neues Profil oder wie hier in ein neues System zu übernehmen. Das Problem in eurem Fall ist, daß es diese Daten in Gestalt von MBox-Dateien (noch) gar nicht gibt. Und diese aus den nicht zugeordneten Festplattensektoren wieder herzustellen ist keine TB-Angelegenheit, deswegen schrieb ich von Rechner-Problem. Ich hätte auch Festplatten-Problem schreiben können.

  • Liebe Leute,


    erstmal vielen Dank für Eure rege Beteiligung und die ganzen Hinweise.


    Laßt uns davon ausgehen, daß die vollständige Wiederherstellung der Emails und ihrer Sortierung gelingen soll. Man muß doch viel wollen, um viel erreichen zu können.


    Unserer Einschätzung nach sieht es so aus: Die Dateien waren vor dem Problem wahrscheinlich fragmentiert, aber es gab bis zum eine logische Struktur, die die Puzzleteile auf der Festplatte logisch zusammenhielt. Für das Gelingen der Wiederherstellung müssen wir also überlegen, wie dieser Zusammenhang des Puzzles wiederhergestellt werden kann. Dafür sehen wir drei mögliche Möglichkeiten, die wir prüfen und (weiter-)verfolgen sollten:


    • Den Fortsetzungsroman, d.h. jedes Fragment hat am Ende eine Beschreibung, wo es weiter geht.
    • Die Liste, in der nacheinander verzeichnet ist, welches Teil wo liegt.
    • Die Indexdatei von Thunderbird, die besagt in welche Emails zu welchem Ordner gehören und vermutlich sogar in welcher Reihenfolge die Emails in den mbox-Dateien aufeinander folgen.


    Es geht darum, das Auffinden dieser logischen Strukturen und das Zusammenfügen des Puzzles zu automatisieren. Am Ende sollen dann die rund ein Dutzend Emailordner wieder in der alten Fassung vorhanden sein.


    Viele Grüße
    rana

  • Hallo rana,


    diese Automatik gibt es nicht - deswegen meine Skepsis bezüglich der Prognose und der Hinweis auf den Kaffee.


    Fragmentierung bedeutet: Eine Datei, die größer als 4 kB ist, wird auf mehrere Cluster (Blöcke von Festplattensektoren) verteilt, und diese Cluster sind bei einer fragmentierten Datei nicht fortlaufend hintereinander angeordnet, sondern quer über die Platte. Du darfst dir selber ausrechnen, wieviele Cluster eine MBox-Datei mit der hier offensichtlich vorliegenden Größe belegt. Dabei müssen die fortlaufenden Cluster auch keineswegs in aufsteigender Folge platziert sein, Cluster 2 kann sich vor Cluster 1 befinden, aber natürlich auch dahinter. Und so geht das über die ganzen Cluster hinweg. Die Obergrenze für die Zahl der Cluster liegt bei NTFS bei 2 hoch 64, also dort überall kann der nächste gesuchte Cluster stecken. Verstehst du jetzt meine Skepsis?


    Zu deinen 3 Möglichkeiten:


    #1: Nein, innerhalb der Dateiinhalte schreibt Windows (und andere Betriebssysteme) keine Informationen über den Folge-Cluster. (Und es wäre eine Katastrophe, wenn es so wäre.) Folglich: Hat man einen Cluster gefunden, der zu der gesuchten Datei gehört, kann man darauf hoffen, daß zumindest eine gewisse Menge an Clustern sich unmittelbar daran anschließen, folglich auch der Inhalt dort einfach fortgesetzt wird, bei einer offensichtlich fragmentierten Platte wird das aber seine Grenzen finden.


    #2: Ja, mit dieser Liste arbeitet NTFS. Aber auch das ist eine Datei und kann fragmentiert sein. Das Dumme ist: Ganz offensichtlich sind dort die Informationen über die Abfolge der Cluster gar nicht mehr vorhanden, sonst hätten die von euch bereits eingesetzten Programme das bereits gefunden und euer Problem wäre zumindest was die Datenrettung betrifft bereits gelöst.


    #3: Falsche Baustelle, denn TB (wie jedes Programm) übernimmt nicht die Funktion des Betriebssystems bei der Dateiverwaltung. Programme sagen dem Betriebssystem, speichere mir das und das und sprechen die Datei dann mit dem Namen an. Der Rest ist Sache von Windows, und hier wie bereits mehrfach festgestellt, zerstört.


    Noch einmal: Es lassen sich nur E-Mails retten, wenn die MBox-Dateien wieder hergestellt worden sind. Ohne MBox keine Mails. Und aus bereits genannten Gründen ist es unrealistisch anzunehmen, daß bei den von dir genannten Mengen und Größen die MBox-Dateien vollständig wiederhergestellt werden können - vorausgesetzt, daß die Inhalte überhaupt noch vollständig auf der Platte vorhanden sind. Datenrettungsunternehmen und Forensiker haben mit Sicherheit Werkzeuge und Erfahrungen, mit dem sie unglaubliches leisten können, du und ich haben weder das eine noch das andere.


    Kurze Zusammenfassung: Keine Automatik, Konzentration auf wirklich wichtige Mails (und andere Daten) und viel Zeit mitbringen.