Finanzierung der Thunderbird-Entwicklung

  • Es ist schon erstaunlich, was gute kostenlose Produkte trotzdem einnehmen.
    Für gute Dienste zahlen Menschen eben sehr gerne, auch wenn sie nicht müssen!

  • Ich finde es eher erstaunlich, wie wenig Manpower Mozilla für Thunderbird erübrigt - trotz der Millionen von Google. Klar, im Bereich der Browser, Smartphones usw. ist noch viel mehr Innovation drin als bei einem profanen Mailer.


    Beim Thunderbird würde ich mir jedoch gar nicht so viel Großartiges erwarten. Es würde mir schon genügen, wenn er Maildir unterstützen würde, ein gscheites Adressbuch bekäme und Mozilla solche alten bugs/RFEs wie diesen bearbeiten würde. Dazu braucht es sicher keine Millionen.

  • "SusiTux" schrieb:

    Ich finde es eher erstaunlich, wie wenig Manpower Mozilla für Thunderbird erübrigt - trotz der Millionen von Google. Klar, im Bereich der Browser, Smartphones usw. ist noch viel mehr Innovation drin als bei einem profanen Mailer.


    Ich denke das genaue Gegenteil. Thunderbird ist für Mozilla kein Schwerpunkt mehr, insofern muss man auf Thunderbird-Seite sehr froh darüber sein, dass Mozilla weiterhin die Infrastruktur bereitstellt, weiterhin Thunderbird auf AMO lässt, weiterhin Sicherheitslücken schließt, den Support vor kurzem erst auf die Mozilla-Seite übersiedelt hat, wo Firefox-Nutzer seit Jahren Hilfe suchen, dass Entwickler nach wie vor sehr wohl Rücksicht auf Thunderbird nehmen, wenn Code entfernt wird, der für Firefox irrelevant ist, so dass die Thunderbird-Community diesen an die geeignete Stelle zurückintegrieren kann. Mozilla könnte all das auch ganz einfach sein lassen. So gesehen steckt Mozilla meiner Meinung nach also erstaunlich viel Manpower in Thunderbird. Ich bin auch nicht glücklich über die Situation mit Thunderbird, aber ganz realistisch betrachtet hätte es Thunderbird schlimmer erwischen können, für ein nicht unterstütztes Produkt erhält Thunderbird denke ich die maximal mögliche Unterstützung. Und Mozilla hat dadurch defintitiv Kosten, die weit über dem liegen, was Thunderbird generiert. Und auch wenn die Entwicklung nicht mehr zügig vorangeht, so kommen schon noch Neuerungen. Vor wenigen Tagen erst ist ein Feature für Thunderbird gelandet, welches für mich eine der besten Thunderbird-Neuerungen der letzten Jahre ist, eine Chronik. Thunderbird merkt sich nun wie Firefox bereits besuchte Webseiten und wie aus Firefox bekannt lässt sich die Chronik natürlich löschen, bald kommt auch noch eine Option dazu, die Chronik automatisch beim Beenden schließen zu lassen.


    Was die Millionen betrifft, wieso werden immer nur die Einnahmen als Argument herangezogen, aber nie die Kosten? Ja, Mozilla hatte 2012 275 Millionen Dollar Einnahmen durch Google. Mozillas Ausgaben lagen im Jahr 2012 bei 208 Millionen Dollar. Und schon klingt das nämlich ganz anders. Davon abgesehen, dass die Entscheidung gegen Thunderbird kein bisschen finanziell motiviert war, sondern darin begründet liegt, dass Thunderbird nichts nennenswert zur Mission von Mozilla beiträgt (nach Ansicht von Mozilla zumindest, kann man anders sehen, aber letztlich entscheidet Mozilla, wo sie Möglichkeiten sehen und wo nicht) und Mozilla sich stärker auf das fokussiert, wo sie etwas bewegen können. Wie gesagt, ich bin auch nicht glücklich darüber, weil ich Thunderbird gerne nutze, aber das ist eben die Realität.


    In jedem Fall denke ich, dass Thunderbird einen Spendenaufruf wie vorgeschlagen definitiv benötigt, denn Thunderbird muss lernen auf eigenen Beinen zu stehen, nur so kann Thunderbird auch in drei Jahren noch eine Zukunft haben. Niemand weiß, wie lange Mozilla Thunderbird noch so unterstützen wird. Und selbst wenn eine lange Unterstützung garantiert wäre, man könnte Geld in die Entwicklung investieren, das würde Thunderbird wirklich gut tun. Thunderbird braucht keine neuen "Killer-Features", aber Thunderbird hat teilweise Jahre alte Schwächen und Bugs, die behebt niemand als Hobby.


    Ich würde definitiv spenden, ich zahle gerne für kostenlose Software-Produkte, die ich täglich nutze, und auch Mozilla hat schon ein paar Spenden erhalten, für Thunderbird fehlt halt bislang nur der direkte Kanal.

  • "Sören Hentzschel" schrieb:

    Thunderbird ist für Mozilla kein Schwerpunkt mehr, insofern muss man auf Thunderbird-Seite sehr froh darüber sein, dass Mozilla weiterhin die Infrastruktur bereitstellt, ...


    Genau das ist der Punkt. Thunderbird muss schon froh sein, ein paar Krumen abzubekommen, bei einem ansonsten üppig gedeckten Tisch. Du erwartest jetzt aber nicht, dass wir alle in übertriebenen Dank verfallen?


    "Sören Hentzschel" schrieb:

    Vor wenigen Tagen erst ist ein Feature für Thunderbird gelandet, welches für mich eine der besten Thunderbird-Neuerungen der letzten Jahre ist, eine Chronik.


    Was für ein Killer-Feature für einen E-Mail-Client. Genau darauf warte ich seit Jahren. ;-) 
    Da hat man gleich das Gefühl, man wird auf den Arm genommen. Was ein Schmarrn!

  • "SusiTux" schrieb:

    Genau das ist der Punkt. Thunderbird muss schon froh sein, ein paar Krumen abzubekommen, bei einem ansonsten üppig gedeckten Tisch. Du erwartest jetzt aber nicht, dass wir alle in übertriebenen Dank verfallen?


    Ich erwarte nicht, dass du in einen übertriebenen Dank verfällst, aber man muss einfach mal realistisch bleiben. Die Alternative wäre, dass Mozilla Thunderbird komplett hätte einstellen können. Stattdessen investiert Mozilla nach wie vor Manpower und einiges an Geld für ein Produkt, welches Mozilla nicht mehr selbst entwickeln möchte. Insofern ja, ist Dank dafür ziemlich angebracht. Was meinst du, wie Google damit umgegangen wäre? Wir wissen beide, was Google mit Produkten macht, die sie nicht weiterentwickeln wollen. Google stellt sie eiskalt ein. Mozilla im Gegensatz dazu unterstützt die Thunderbird-Community aber. Ohne Mozillas Unterstützung wäre Thunderbird 17 die letzte Thunderbird-Version gewesen. Das ist einfach mal ein Fakt. Falls du es noch nicht so bewusst wahrgenommen hast hast: Mozilla hat kein eigenes Interesse an einer Weiterentwicklung von Thunderbird. Und dafür muss man Mozilla auch mal loben, dass sie dennoch Personal und Infrastruktur bereitstellen und Geld dafür verfügbar machen sowie die rechtliche Verantwortung übernehmen.


    "SusiTux" schrieb:

    Was für ein Killer-Feature für einen E-Mail-Client. Genau darauf warte ich seit Jahren. ;-) 
    Da hat man gleich das Gefühl, man wird auf den Arm genommen. Was ein Schmarrn!


    Ich nenne ein Beispiel für ein neues Feature, um zu verdeutlichen, dass es nach wie vor größere Neuerungen gibt, und sage, dass es für mich persönlich eine der besten Neuerungen der vergangenen Jahre ist. Und du antwortest darauf "Was ein Schmarn!". Was soll das? Äußer ich mich denn so über die Features, die du gut an Thunderbird findest? Tut mir Leid, aber das find ich echt nicht sehr nett, sondern im Gegenteil ziemlich respektlos von dir. Es hat nun einmal nicht jeder dieselben Vorlieben wie du… Ich brauch sicher auch manches Feature nicht, was du gut findest, ich würde aber niemals sagen, dass es Schmarn sei, dass du dieses oder jenes an Thunderbird toll findest…

  • "Sören Hentzschel" schrieb:

    Tut mir Leid, aber das find ich echt nicht sehr nett, sondern im Gegenteil ziemlich respektlos von dir.


    Ok, das benötigt offenbar Erklärung. Mit dem Begriff Schmarrn bezog ich mich nicht auf Dich oder Deine Meinung. Die sei Dir belassen.
    Ich halte das Feature an sich für einen Schmarrn, für einen großen sogar. Schließlich reden wir hier von einem E-Mail-Client und nicht von einem Browser.
    Ich bin mir recht sicher, dass, wenn man die TB-Nutzer fragen würde, welche Verbesserungen sie sich wünschen, dann würden Themen wie ein besseres Adressbuch weit vor einer Chronik landen oder den jüngsten optischen Anpassungen.

  • Hallöchen zusammen!


    Auch wenn ich selbst statt Firefox und Thunderbird mit SeaMonkey unterwegs bin sehe ich es da schon irgendwie mit Sören. Mozilla macht zwar nicht mehr viel an Thunderbird, aber sie korrigieren derzeit doch einige wichtige Bugs und sie stellen die Infrastruktur zur Verfügung. Das kostet Mozilla Geld für ein Programm, welches eigentlich offiziell eingestellt ist und der Community übergeben wurde!


    Persönlich finde ich es sogar gut, daß jetzt verstärkt die vorhandenen Bugs beseitigt werden, da diese ja mehr oder weniger auch SeaMonkey zu Gute kommen. Und auch hier muß ich Mozilla danken, daß sie SeaMonkey Project ihre Infrastruktur zur Verfügung stellen. Denn auch das kostet Geld für ein Projekt, welches gar nicht mehr zu Mozilla gehört!


    "SusiTux" schrieb:

    Ich bin mir recht sicher, dass, wenn man die TB-Nutzer fragen würde, welche Verbesserungen sie sich wünschen, dann würden Themen wie ein besseres Adressbuch weit vor einer Chronik landen oder den jüngsten optischen Anpassungen.


    Also hier muß ich eindeutig Dir Recht geben! Thunderbird wie auch SeaMonkey Mail & Newsgroups haben genug andere Baustellen, die wesentlich dringender der Reparatur bedürfen. Das Adreßbuch ist eine davon, aber daran wird soweit mir bekannt bereits gearbeitet! ... Hach wie lustig, ich hab den entsprechenden Link dazu ausgerechnet bei Sören gefunden:


    Thunderbird bekommt ein neues Adressbuch


    Tja, da scheint wohl nichts mehr zu gehen. Sieht so aus, als ob sich das neue Adreßbuch im Ruhezustand befindet! :nixweiss:


    Grüße aus Augsburg


    Mike, TmoWizard

  • "SusiTux" schrieb:

    Ok, das benötigt offenbar Erklärung. Mit dem Begriff Schmarrn bezog ich mich nicht auf Dich oder Deine Meinung. Die sei Dir belassen.
    Ich halte das Feature an sich für einen Schmarrn, für einen großen sogar. Schließlich reden wir hier von einem E-Mail-Client und nicht von einem Browser.
    Ich bin mir recht sicher, dass, wenn man die TB-Nutzer fragen würde, welche Verbesserungen sie sich wünschen, dann würden Themen wie ein besseres Adressbuch weit vor einer Chronik landen oder den jüngsten optischen Anpassungen.


    Okay. Ich hatte das anders gelesen, nimms mir nicht übel. ;) Es ist aber tatsächlich ein Feature, welches ich mir seit Jahren gewünscht habe, denn ich bekomme ich täglich alleine 100-300 Bugzilla-Mails, das schwankt teilweise stark, es ist da ein unheimlicher Mehrwert, direkt in Thunderbird erkennen zu können, welche Links bereits aufgerufen worden sind, und welche nicht. Ein neues Adressbuch ist aber vom Aufwand etwas, was sehr viel weit über der Chronik liegt (das musste ja "nur" von Firefox portiert werden) und optische Änderungen sind sowieso Kleinigkeiten im Vergleich. Anderes Beispiel, weil du von Userwünschen sprichst: Neue Nachrichten im Tab schreiben, das ist so ein Feature, welches extrem häufig gewünscht wird. Aber das werden wir wahrscheinlich nie in Thunderbird sehen, weil daran selbst die erfahrensten Thunderbird-Entwickler gescheitert sind, der Code von Thunderbird ist teilweise uralt, richtig schlecht und kaum dokumentiert, große Teile stammen noch aus der Netscape-Zeit. Das haben schon ein paar Leute versucht in Angriff zu nehmen und irgendwann einfach aufgeben müssen, weil dort alles so miteinander verzahnt ist, dass das gefühlt halbe Programm umgeschrieben werden muss. Ein starkes Indiz für eine schlechte Software-Architektur. Und solche Architektur-Probleme machen die Entwicklung an Thunderbird schwierig. Mozilla hatte auch als Thunderbird noch ein aktives Mozilla-Projekt war, nicht grundlos immer Schwierigkeiten, Entwickler für Thunderbird zu finden, viele Bugs sind nicht so einfach zu beheben, weil Thunderbird grundsätzliche Schwächen hat. Vielleicht müsste man das Ding von Null programmieren. Das Ganze am besten so ausgelegt, dass möglichst viel Code mit der Gaia-App für Firefox OS geteilt werden kann. Dann würde "Thunderbird" direkt von Verbesserungen an Firefox OS profitieren und dafür bezahlt Mozilla Mitarbeiter. Nur das wäre halt auch ein Projekt, das baut man nicht in ein paar Wochen. Ist also nur bedingt realistisch. Aber etwas, was man vielleicht im Hinterkopf behalten muss, gerade in Anbetracht dessen, dass die Zukunft von dem Thunderbird, das wir kennen, ungewiss ist. Ich würde mich nicht unbedingt darauf verlassen, dass Mozilla diese Unterstützung noch zehn Jahre so weiter bietet. Es ist denke ich schon ernsthaft an der Zeit, sich Gedanken darum zu machen, wie das Produkt in der Zukunft aussehen soll, und vor allem, wie man Einnahmen generiert, um wieder auf das Ausgangsthema zurückzukommen. Denn eines ist klar: Mit dem, was Thunderbird derzeit an Einnahmen generiert, ist das Projekt tot, sobald Mozilla die Unterstützung stoppt. Etwas, was sie jederzeit tun könnten. Ums ganz salopp zu formulieren: Ohne Moos nix los.


    "TmoWizard" schrieb:

    Das Adreßbuch ist eine davon, aber daran wird soweit mir bekannt bereits gearbeitet! ... Hach wie lustig, ich hab den entsprechenden Link dazu ausgerechnet bei Sören gefunden:


    Thunderbird bekommt ein neues Adressbuch


    Tja, da scheint wohl nichts mehr zu gehen. Sieht so aus, als ob sich das neue Adreßbuch im Ruhezustand befindet! :nixweiss:


    Das siehst du richtig. Das Projekt wurde von einem ehemaligen Thunderbird-Entwickler ins Leben gerufen, Mike Conley. Nachdem Mozilla die aktive Entwicklung von Thunderbird eingestellt hat, wurde dieser Entwickler von Mozilla für die Entwicklung an Firefox übernommen (ein hervorragender Entwickler übrigens!) und war maßgeblich daran beteiligt, Australis auslieferbar zu machen und ist nun genau intensiv in Electrolysis (e10s) eingespannt, ebenfalls ein Projekt allerhöchster Priorität für Mozilla. Auf Conleys Aufrufe an die Community, ihn bei der Entwicklung von Esemble, dem Adressbuch-Projekt für Thunderbird, was er in seiner Freizeit (!) entwickelte, zu helfen, kam leider wenig bis gar keine Reaktion. Und alleine in der Freizeit ist das, was Conley vorhatte, einfach nicht zu stemmen.

  • Hallo,


    in dieser Woche ging ja durch die Presse, dass Katharina Borchert von SPON verlassen und bei Mozilla die Rolle des Chief Innovation Officer übernehmen wird. Laut Golem ist ein Punkt ihres Aufgabenbereichs:

    Zitat


    "Erforschungen in der globalen Mozilla-Community finanzieren"

    Man darf gespannt sein, ob das den Thunderbird einschließen wird, oder ob es letztendlich nur um den kränkelnden Firefox, FirefoxOS und um Innovation in Bezug auf die (Werbe-)Medien geht.
    Frau Borchert ist nicht unumstritten. Wenn man den Berichten über ihre berufliche Laufbahn glauben darf, dann kann man ihr mangelnden Ehrgeiz in der Karriereplanung aber nicht vorwerfen. :mrgreen:


    Die Fluktuation im Mozilla Management ist ziemlich groß. Der Chief Technology Officer, Andras Gal, hat keine zwei Jahre durchgehalten und der Präsident, Li Gong, hat Mozilla ebenfalls verlassen. Offenbar macht der stetig sinkende Marktanteil des Firefox (laut w3schools ist er weltweit von beinahe 50% in 2009 auf nur noch rund 20% gesunken) einige Leute nervös.


    Gruß


    Susanne

  • Hallo graba,


    ja, das kannte ich. Soweit ich es verstehe geht es dabei zunächst nur um das finanzielle Zuhause. Mir scheint also, dass dies ein Verwaltungsakt ist, damit es eine rechtmäßige Organisation gibt, die z.B. auch Spenden für den Thunderbird entgegennehmen kann. Ob in diesem Zuge auch Mittel oder Ressourcen seitens Mozilla gewährt werden, kann ich daraus nicht entnehmen. Habe ich da etwas wichtiges übersehen?


    Gruß


    Susanne