Nur noch "echte" Mail-/WebExtensions ab Thunderbird 72 Beta und dann ab 78 Final

    Ansonsten wird es für den Add-on-Entwickler aufwändiger als "früher", da alle darüber hinausgehenden Funktionen für jede neue Version von Thunderbird neu angepasst werden müssen.

    Dieses "Ansonsten" wird es in der theoretisch geplanten "reinen" WebExtension-Welt aber nicht mehr geben. Momentan hat man noch die Möglichkeit der WebExtension-Experimente. So lange die möglich sind, hat man als Entwickler noch ein bisschen Freiheit und mit der Pflege seines Add-ons dann halt (eigentlich auch wie früher) alle Verantwortung und Arbeit.


    Der frühere Vorteil war meines Erachtens nur Existent, da sich über Jahre fast nichts zentrales an Thunderbird geändert hatte. Es gab faktisch einen Stillstand und somit einen "Entwicklungs-Stau", der sich momentan halt mit relativ schmerzhaften (weil auch ungewohnten) Umbrüchen rächt.

  • theoretisch geplanten "reinen" WebExtension-Welt

    Ich habe noch keinen Beitrag seitens der Thunderbird-Entwickler gelesen, in dem ernsthaft über eine baldige Beendigung der Experiments nachgedacht wurde – ich vermute das meinst du mit dem "theoretisch" ;) . Mozilla hat das im Firefox zwar schon gemacht, die Ergebnisse dort waren aber desaströs, sodass man diesen Fehler hoffentlich nicht auch im aus Add-on-Sicht deutlich komplexeren Thunderbird wiederholen wird.


    Nach Möglichkeit sollte ein guter Teil der Add-ons weitgehend ohne Experiments auskommen, aber ich glaube nicht, dass sie jemals vollständig abgeschafft werden. Selbst Firefox hat meines Wissens keine Pläne, Experiments jemals zu entfernen – nur ist diese Funktion in normalen Builds zumindest für Add-ons von Drittanbietern gesperrt. Da Thunderbird aber auch andere Funktionen zur Einschränkung der Nutzer nicht übernommen hat (z.B. zentrale Signierung von Add-ons), bin ich da (zumindest noch) guter Dinge.

    Der frühere Vorteil war meines Erachtens nur Existent, da sich über Jahre fast nichts zentrales an Thunderbird geändert hatte.

    Ich merke, dass ich von zwei verschiedenen "früheren" Zeiten geredet habe, ohne diese vernünftig zu differenzieren. Sorry für die Verwirrung.


    Ganz früher (vor Gecko 2) haben Add-ons ähnlich funktioniert wie WebExtensions mit einer "weichen" Form von Experiments: es gab ein paar (wenige) definierte APIs, die als "frozen" markiert wurden und für Add-ons stabil bereitstanden. Der Rest konnte sich zwischen Releases ändern (und hat das auch), die Add-on Entwickler mussten hier regelmäßig anpassen. Beide Typen von APIs standen gleichwertig im selben System, sodass man weitgehend reibungslos immer die API benutzt hat, die am besten passt. Änderungen an den nicht als "frozen" markierten APIs wurden nach Möglichkeit so durchgeführt, dass Add-ons nicht allzu sehr betroffen waren und sich der Aufwand für jede neue Version in Grenzen hielt. Dennoch war in der Regel ein Update von jedem Add-on für jede neue Version nötig (es gab aber noch keine Rapid Releases, in der Praxis war das also weniger schlimm als es klingt). Das ist das Niveau zu dem wir mit WebExtensions hoffentlich zurückkommen.


    Dann hat Mozilla "frozen" abgeschafft – die Änderungen hielten sich aber weiterhin in Grenzen. Spätestens seit der Übergabe von Thunderbird an die Community ist die Entwicklung von Thunderbird weitgehend stehengeblieben – Add-ons wurden in dieser Zeit sogar ohne Freigabe durch den Entwickler automatisch als kompatibel eingestuft. In dieser Zeit hat sich wie von Thunder erwähnt einiges an Problemen angesammelt und viele Add-on-Entwickler haben ihre Add-ons alleine zurückgelassen (sie funktionierten ja noch). Das ist die Zeit in der gar keine Updates nötig waren.


    Aus meiner Sicht sind WebExtensions die nächsten "frozen"-Interfaces, wenn auch deutlich mächtiger. Das bringt zunächst mal Ruhe rein, aber Add-on-Updates wird man weiterhin regelmäßig brauchen. Die Zeit von Add-on-Kompatibilität ohne Updates ist dagegen vorbei.


    Es gab faktisch einen Stillstand und somit einen "Entwicklungs-Stau", der sich momentan halt mit relativ schmerzhaften (weil auch ungewohnten) Umbrüchen rächt.

    Die jetzt anstehenden schmerzhaften Änderungen kommen aber aus meiner Sicht eher von Firefox als von Thunderbird. Im Zuge der aktuellen Umbauten kann man aber hier und da auch ein bisschen Fortschritt in "Thunderbird-eigenen" Altlasten sehen.

    Einfach zur Information: In den letzten Tagen wurde der Lightning-Code zum integralen Bestandteil der Thunderbird-Daily-Builds und ab heute ist dann auch die Legacy-API für Add-ons entfernt worden. Die nächste Beta-Version (74 Beta) wird entsprechend dann ebenfalls diese Änderungen enthalten. Das bisherige Lightning-Add-on wird beim Neustart des Thunderbird dann automatisch komplett deinstalliert. Mir fehlt allerdings der technische Überblick was dann wieder mit manchen Lightning-Versionen bzw. deren Sprachpaketen aus der Paket-Verwaltung bei manchen Linux-Distributionen wird.

  • Schaun mer mal.... hier wurde jetzt erstmal 68.5.0-candidates/build1/win64/de/

    installiert..

    (korrigiert)

    Windows 10 Pro 64bit

    Thunderbird 68.6.0 64bit


    Probleme mit Firefox? Hier wird geholfen!

    Edited once, last by Boersenfeger ().

  • Ja, richtig, habs korrigiert..

    Es nutzt mir in soweit, das ich einem aktuellen Zweig bis zum Ende folge.. :)

    Windows 10 Pro 64bit

    Thunderbird 68.6.0 64bit


    Probleme mit Firefox? Hier wird geholfen!

  • Ich habe den Thread mit Interesse gelesen, da ich Thunderbird aktuell neu einrichte. Macht es überhaupt Sinn noch auf Addons zu setzen, wenn diese mit jedem großen Update relativ schnell nicht mehr funktionieren und dann in nicht mehr langer Zeit sich eh die Frage stellt, ob diese weitergeführt werden. Ich nutze Software gerne langfriestig und möchte nicht jedes Jahr Wochen zum neu einrichten verwenden. Aktuell habe ich CardBook eingerichtet (bzw. bin noch dabei) und wollte eigentlich nch Enigmal einrichten. Ich frage mich ob sich das lohnt und wie hoch die Gefahr ist, dass die Addons nicht mehr gehen und ich z.B. im Falle von Enigmail dann vor verschlüsselten Mails sitze, an die ich nicht mehr ran komme.


    Danke für eure Einschätzung.

  • Der Schritt war notwendig. Mich als AddOn Entwickler nervten die internen Änderungen, weswegen ich meine AddOns ständig anpassen musste. Mit den WebExtension API gibt es nun einen stabilen Layer der sich nicht ändert, auch wenn sich in Thunderbird was ändern sollte. Nach TB78 müssen echte WebExtensions nicht mehr aktualisiert werden (oder zumindest sehr selten).


    Der Weg dahin wird aber steinig, weil noch nicht alle Funktionen die AddOn Entwickler derzeit nutzen als WebExtensions API verfügbar sind. Manche wird es womöglich nie geben. Viele Entwickler werden vermutlich hinwerfen, aber es wird Unterstützung geben. Wir arbeiten an einer neuen Dokumentation und einem Update Leitfaden.

  • Danke für den verlinkten Artikel. Für mich klingt das so als sollte ich bis zum Herbst warten bis ich mich mit dem Thema Verschlüsselung beschäftige. Das finde ich zwar schade aber ich habe keine Ahnung wie aufwendig ein Schwenk von Enigmail zu der TB eigenen Verschlüsselung wird.


    Insgesamt stimme ich da zu, ich finde es richtig auf eine stabile Erweiterungsmethode umzuschwenken, allerdings finde ich die Art wie es gemacht wird aus reiner Anwendersicht nicht optimal.